Samstag, 31. Oktober 2009

Beach, Beach, Beach


Statistisch gesehen gehören jedem Neuseeländer ungefähr zwei Kühe und vier Schafe, da lag es nun einmal an mir, mich auch diesen Neuseeländischen Heiligtümern genauer vorzustellen. So bin ich nun an meinen zwei freien Tagen letzte Woche mit Tom auf eine kleine Halbinsel gefahren und habe dort meine „Antrittsrede“ gehalten. Leider war die Resonanz nur mäßig, die Schafe haben uns schon von weitem erspäht und sind aus Angst vor einer deutschen Invasion umgehend geflüchtet. Die Kühe besaßen anfangs etwas mehr Geduld, allerdings wenig Interesse, nachdem ich mit meinen Worten geendet hatte und mich noch nochmals nach ihrem Wohlbefinden erkundet hatte sind sie beleidigt von dannen gezogen, undankbare Viecher.

Davon haben wir uns aber natürlich nicht den Tag vermiesen lassen und haben uns vornehmlich darauf konzentriert die schönsten Strände nördlich von Helensville zu erkunden, dass viel uns wesentlich leichter. Erster Strand: Pink Beach. Man kann ihn nur bei Ebbe und halbwegs sonnigem Wetter erreichen, außerdem ist die Überwindung einiger Felsen erforderlich. Am Strand angekommen dominierte dann folgende Frage: Wo ist der verdammte pinke Sand? Bis wir dann nach einigen fragenden Blicken feststellen mussten, dass die unter unseren Füßen befindlichen Sandkörnern eben diesen Pink Beach bilden. Pinker Sand? Naja, wenn man lange genug drauf schaut, ist dieser Strand irgendwann auch mal pink. Könnt ihr ja selber mal beurteilen:

Die Region nördlich von Auckland ist nur so von kleinen Regionalparks bestückt, in jedem Park gibt es ausreichend und gut beschriftete Wege. Die Whangaparaoa Halbinsel, auf der wir uns jetzt noch befinden, ist an der Spitze vom Shakespear Regional Park erschlossen. Dieser hat nichts mit irgendeinem mittelmäßigen und halbwegs bekannten englischen Dramatiker vom Ende des 16. Jahrhunderts zu tun, außerdem wird der mit einem „e“ am Ende geschrieben. Aus dieser Zeit stammt allerdings noch folgender einheimischer Bewohner.

Nachdem wir uns also noch ein wenig im Shakespear Park ausgewandert haben, ging es wieder zurück zu Toms Auto, einen kleinen aber recht gemütlichen Subaru Kombi. Auf unserem Weg weiter nach Norden ist uns dann noch der ein oder andere Strand über den Weg gelaufen, allerdings hat der pazifische Ozean nicht mehr als unsere Zehenspitzen zu spüren bekommen, bei einer Wassertemperatur von ca. 14,67 ° Celsius kam der deutsche Waschlappen wieder zum Vorschein. Der nächste Strand sollte von uns nicht länger als ein Foto frequentiert werden; Orewa Beach besitzt ungefähr eine Länge von dreihundert Fußballfeldern und eine Möwe.

Nächster Halt? Waiwera Beach, welcher sich vor gleichnamigen Dorf befindet, dieses wiederum wurde Mitten in einer kleinen Bucht erschaffen, der Schönheitsgrad steigert sich also langsam, unser Aufenthaltszeitraum allerdings nicht. Wieder nur ein Foto und weiter ging’s.

Unser Ziel für den Tag stellte die Tawharanui Halbinsel dar. An ihrer Spitze, wie soll es anders sein, wieder ein Strand. Diesmal handelt es sich um den Anchor Bay. Die Fahrt dorthin ist zwar etwas beschwerlich, es geht größtenteils über staubigsten Schotter, aber das Ziel ist unbeschreiblich. Für die Schönheit dieses Strands gibt es nicht genügend Superlative, was natürlich auch am fantastischen Wetter lag. Wir mussten erst einmal inne halten und die ganze Szenerie auf uns wirken lassen.

Dieser Strand verdiente dann selbstverständlich nicht nur irgendein dummes Touristenfoto, sondern wurde von uns erst einmal ausgiebig bewandert. Über Stock und Stein, Grass und Fels sind wir durch schmale Höhlen und entlang kleiner Halbinseln, immer mit der Gefahr im nicht vorhandenen Gepäck, dass ein falscher Schritt im Wasser oder auf Sand enden könnte.

Passiert ist uns Gott sei Dank nichts und wir konnten unsere nächtliche Unterkunft ansteuern. Wobei diese sich nur Zentimeter von unseren Sitzen im Auto befand, es handelte sich um den Kofferraum von Toms Subaru. Am Morgen hatte er noch eine Matratze in seinen Kombi verfrachtet, Bettdecke rauf, Sitze nach vorne und fertig war unser fünf Sterne Hotel. Nach längerem Suchen haben wir dann auch einen geeigneten Parkplatz gefunden, in der Nähe, welch Überraschung, ein Strand; Omaha Beach. Keine Angst wir sind nicht extra in die Normandie gefahren, sondern in einen kleinen Ort, in welchem fast jeder Bewohner Aucklands, der ein Einkommen im zweistelligen Millionenbetrag hat, eine luxuriöse Wochenend- bzw. Sommervilla besitzt. Hier mal wieder ein Strandbild:

Unser Abendbrot bestand aus Käsebrötchen mit Salami und ein paar Tui, eine ungewöhnlich leckere Kombination. Auf diesen Tag wurde dann erst einmal angstoßen.

Die Nacht war weniger angenehm. Aber nach gefühlten vier Stunden Schlaf und unserem Abendbrot als Frühstück, ging es dann am nächsten Morgen langsam wieder in Richtung Helensville. Unterwegs haben wir zwar noch ein paar Strände und Halbinseln, aus dem Auto und zu Fuß, bewundern können, aber durch unfassbare Schönheit zeichnen sich die geschossenen Fotos nicht unbedingt aus, deshalb verzichte ich darauf an dieser Stelle lieber. Um zwei Uhr nachmittags war ich dann wieder bei „meinen“ Behinderten und habe ein wenig Schlaf aufgeholt, war ja nötig.

Dass war dann auch schon mein kleiner Bericht über meine zwei freien Tage, ich hoff mal ich konnte diese teilweise einzigartigen Momente ein wenig nach Deutschland transportieren. Eigentlich sollte dieser Eintrag noch etwas länger werden, aber der Bericht über meine Möglichkeiten der Mobilität am anderen Ende der Welt folgt nächste Woche. Jetzt geht’s nach Auckland, genauer in einer viertel Stunde. Was ich da genau mache? Beim nächsten Mal.

Nur noch so viel. Ich habe mich endlich getraut. Am letzten Dienstag war ich nach Jahrzehnten mal wieder beim Friseur, dass ständige Haare aus dem Sichtfeld streifen hat ganz schön genervt. Passend zu Halloween hier also noch etwas zum Gruseln.

Einen besinnlichen Reformationstag euch allen!

Bis nächste Woche!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi

Montag, 19. Oktober 2009

23 Minute.

Nachdem ich das Wahldesaster und den dann doch nicht eingeschlagenen Tsunami überstanden habe, wird es mal wieder höchste Zeit ein Lebenszeichen von mir zu geben. Ersteres musste ich um 4 Uhr morgens miterleben, der anschließende Tag hat von mir dann selbstverständlich kein einziges Lächeln bekommen und soll auch nicht weiter Erwähnung finden, zweiteres habe ich erst von zu Hause aus erfahren, als ich morgens mit meiner Mutter geskypt habe. Danach bin ich gleich erst einmal ins Wohnzimmer um genaueres zu erfahren; Tsunami in Neuseeland? Wo? Wie? Warum? Dort hat mich dann meine ganze Hausbesatzung vor dem Fernseher etwas aufgebracht begrüßt. Meine Housleaderin beruhigte mich jedoch gleich, Epizentrum ca. 2.000 km entfernt, für Neuseeland erwartet man nur ein kleines „Wellchen“, also bin ich gleich wieder ins Bett, meinen freien Tag wollte ich mir nicht durch Panikmache nehmen lassen. Als ich dann um 12 Uhr aufgestanden bin und mich an meinen Frühstückstisch setzen wollte, war die Stimmung meiner Housleaderin deutlich betrübter. Sie hatte Freunde in Samoa, welches vom Tsunami am meisten betroffen war, leider ist die halbe Familie umgekommen, so klein kann die Welt manchmal sein.


Vor einer Woche hatte ich zum zweiten Mal meine vier freien Tage, um die es jetzt nun gehen soll. Wobei dass nicht ganz richtig ist, ich habe kurzer Hand entschlossen, aus den vier drei freie Tage zu machen, um im November etwas größeres zu unternehmen. So bin ich also letzte Woche Donnerstag nach Auckland um dort ein „neues“ Auckland für mich zu entdecken. Bis zu diesen Tagen war meine Meinung von Auckland eher durchwachsen bis dürftig, vor allem was das Zentrum betrifft. Dieses erfüllt gleich drei „Aufgaben“; zum einen ist es direkt am größten Hafen Neuseelands gelegen, andererseits ragen in diesem die riesigen Bankgebäude in die Höhe und zu guter letzt ist es auch das Herz des Neuseeländischen Shoppings. Wobei man sich davon nicht allzu viel versprechen darf, es gibt eine richtige Shoppingstraße, die Queen Street und das wars. Keine Fußgängerzone oder ein paar kleine Gassen, nichts. Zur Verteidigung Aucklands sei erwähnt, dass es die Europäer erst vor etwas mehr als 200 Jahren besiedelt haben und somit das komplette Mittelalter, samt beschaulichem Markplatz und Kirche, fehlt. Hier einmal ein Bild der Skyline aus der Vogelperspektive(was fürn Brüller) :

Aber irgendwo müssen die 1,3 Millionen Einwohner ja hin, deshalb gibt es haufenweise Vororte, diese haben dann wiederum ihr eigenes kleines Zentrum, was meistens durch immer die gleiche Shopping Mall gebildet wird, also nicht wirklich spannend. Was aber positiv am Stadtbild ist: es gibt fast keine verdreckten und verkommenen ostdeutschen Plattenbauten, sondern viele kleine Einfamilienhäuser. So viel also nun zum Telekolleg Auckland. Tagsüber wollte nun ich die größte Stadt Neuseelands etwas näher entdecken und abends mich mit ein paar anderen Freiwilligen treffen. Gesagt getan.

Nachdem ich am späten Donnerstagnachmittag in der „City of Sails“ ankam, habe ich zu allererst einen auf Mr. (europäische) Kultur gemacht. Das Auckland Philharmonia Orchestra hat in der „Town Hall“ vier verschiedene Stücke von vier verschiedenen deutschen bzw. französischen Komponisten (für Interessierte: Mendelssohn, Schumann, Saite und Bizet) gespielt, da ich mich in der Beurteilung dieser Musikrichtung von anderen Mitmenschen meiner Generation etwas unterscheide seid bitte nicht darüber verwundert, wenn ich diese zwei Stunden als die besten seit meiner Ankunft bezeichne. Es hat einfach alles gepasst, was auch den Kartenpreis betrifft, ca. 20 € für Reihe drei, Gott segne den alten verhunzten, ungültigen und in zwei Stücke geteilten Schülerausweis. Nach diesem wunderbaren Erlebnis habe ich mich mit Malte, dem im Monat zuvor schon besuchten deutschen Freiwilligen, auf ein herrliches Guinness in ein Pub begeben. Genächtigt habe ich zweimal in einem Backpacker Hostel. Dass ist die modernere Form einer Jugendherberge, das preisgünstigste was man in jeder Stadt finden kann. Etwas mehr als 9 € die Nacht inklusive Dusche, einem etwas ungemütlichen Bett und ein wenig Ranz, wobei dieser, in erträglicher Form, sogar seinen Charme haben kann. Ich mag diese Art der Unterkunft sehr und werde sie in Zukunft wohl sehr häufig nutzen. Von den vier Betten im meinem Zimmer war nur ein weiteres belegt, ein Engländer. Als ich morgens um acht aufgestanden bin ist der übrigens ins Bett gegangen.

Freitagmorgen ging es auf eine kleine, im Hafen Aucklands vorgelagerte, Insel, Rangitoto Island, die vornehmlich durch einen Vulkan gebildet wird. Auckland wurde auf ca. 50 kleinen Vulkanen erbaut, manche ragen über zweihundert Meter in die Höhe, fast alle sind ausgestorben, fast alle. Der letzte Vulkanausbruch ereignete sich vor 600 Jahre, auf eben Rangitoto Island, bzw. entstand die Insel durch diesen, der Vulkan ist immer noch aktiv und die Chance das er in den nächsten Jahren ausbricht wird auf 1 zu 1000 geschätzt. Der Gipfel ist 260 Meter hoch und ohne Probleme in einer Stunde zu erklimmen. An guten Tagen hat man eine perfekte Aussicht auf ganz Auckland und Umgebung, auf Grund meiner Anwesenheit blieb diese den anderen Menschen versagt, es war ganz schön misty. Hier einmal ein paar Eindrücke.

Ausbruch vor ca. 600 Jahren; da wurden in Deutschland die ersten Hexen verbrannt.

Ausblick auf Auckland.

Merkwürdige Nachkommen der Affen traf man dort auch an.

Auf dem Gipfel traf ich dann eine junge, wandererprobte Australiern, die wohl gedacht hat, dass ich mein ganzes Leben schon auf dieser Insel verbringe, um mich vor dem Hungertod zu retten hat sie mir dann ein paar Crackers angeboten. Den anschließenden „Abstieg“ haben wir uns über Gott und die Welt unterhalten, sie ist dann zur nächsten Insel gefahren, ich zurück zum Hafen. Dort angekommen sprang mir sofort, auf einem kleinen Zelt hängend, eine altbekannte Fahne von einem weit entfernten Land entgegen, es handelte sich um die des Freistaat Bayerns. An diesem Stand wurden von Thüringer, Frankfurter bis zur Weißwurst gute deutsche Fleischwaren verkauft, da konnte auch ich nicht Nein sagen. Empfangen wurde ich allerdings nicht von einer, in Dirndl gekleideten, bayrischen Mutti, sondern einem schottischen (entschuldigt Bitte die Bezeichnung) Mannsweib, welche mir gleich ihre ganze Lebensgeschichte erzählt hat, egal die Wurst war köstlich. Als ich dann in meinem Hostel ankam ist mein englischer Zimmerkollege gerade aufgestanden und hat sich mit mir dann fast zwei Stunden über Fußball unterhalten. Wir beide waren ganz froh endlich mal wieder unter Gleichgesinnten zu sein, er kannte sich bestens über den deutschen Fußball aus und konnte mir gleich sagen, dass Energie Cottbus letzte Saison abgestiegen ist und den ganzen Balkan unter Vertrag hat, wobei dass ja jetzt auch nicht mehr ganz stimmt. Wie auch immer, nachmittags hab ich mich dann wieder mit Malte getroffen, nach leckeren Spaghetti haben wir uns abermals ins Aucklander Nachtleben „gestürzt“. Diesmal hatten wir uns mit weiteren Freiwilligen verabredet, und meine Leber durfte endlich wieder in den Genuss eines guten Tuis kommen.

Am nächsten Vormittag habe ich mit meinen Füßen eine weitere Wanderung unternommen. Ziel war der Aucklander Ortsteil Devonport, auf dem sich ebenfalls zwei kleine, allerdings ausgestorbene, Vulkane befinden. Devonport ist ein sehr idyllischer, im Vergleich zum hektischen Stadtleben Aucklands, fast schon ausgestorbener Ort der viele kleine Kunstgalerien und Büchereien zu bieten hat, die von mir auch ausreichend frequentiert wurden. Auch von Devonport ein paar Bilder.

Das ist Devonport (am besten erreicht man es mit der Fähre).

Devonport Beach.

Den kennen wir doch irgendwo her (im Hintergrund Rangitoto).

Nachdem ich dort mehr Zeit verbracht hatte als eigentlich geplant, ging es in Auckland City noch auf einen Cafe mit Malte und anschließend wieder ins gute alte Helensville. Dass waren dann auch schon meine drei freien Tage, an denen ich die „City of Sails“ etwas besser kennen und schätzen gelernt hab. Die November- Tage werfen auch schon ihren Schatten voraus. Am Wochenende kamen per Post zwei Tickets für ein Fußballspiel in Wellington. Besser gesagt es ist DAS Fußballspiel, die Medien haben es zu „Neuseelands Spiel des Jahrhunderts“ auserkoren, man erwartet Rekordeinschaltquoten, es wird das meistbesuchte Fußballspiel in der Geschichte des neuseeländischen Fußballs, es treten sich gegenüber; Neuseeland und Bahrain. Wer gewinnt fährt zur WM nach Südafrika im nächsten Jahr (das Hinspiel endete 0:0), was für die Kiwis ein Weltereignis wäre, das letzte Mal waren sie 1982 dabei. Wie schon mal an anderer Stelle erwähnt, Fußball genießt hier ungefähr einen Ruf wie Rhythmische Sportgymnastik in Deutschland, den bisherigen Zuschauerrekord von 35.000 Zuschauern hält wenn man so will David Beckham, er war vor zwei Jahren mit seinem amerikanischen Klub zu einem Freundschaftsspiel bei den Wellington Phoenix (so etwas wie der FC Bayern München Neuseelands).

Natürlich möchte ich euch aber nicht so lange auf einen weiteren Eintrag warten lassen. Ich werde mich zwischendurch mal melden und z.B. über eine ganz spannende Sache berichten; das Fahren auf der linken Seiten, wie aufregend. Übermorgen ist übrigens schon das erste Viertel meines Jahres absolviert, wie die Zeit vergeht und heute vor vier Monaten gabs Abi- Zeugnisse, amazing.

Eine zeitlose Woche euch allen!

Bis demnächst!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi

Sonntag, 27. September 2009

Ein Tag.

Einen Tag noch. Einen Tag noch, dann habe ich wieder freie Abende, dann kann ich endlich wieder zu wirklich wichtigen Dingen übergehen. Emails schreiben, Reisemonat planen oder einfach nur schlafen. In einem Tag ist Bundestagswahl. Keine Angst, ich werde mich dem medialen Bombardement über Politik nicht anschließen, ich konnte mich selbigem schon nicht erwehren. Seit ca. zwei Wochen verbringe ich fast jeden Abend damit mir irgendwelche Sendungen, Dokumentationen oder Berichte im Internet anzuschauen bzw. durchzulesen. Der Nutzen dieser abendlichen Tätigkeiten ist gleich null, wenn nicht sogar negativ, da ich zu nichts wirklich anderem mehr komme, außerdem stören sie meinem Englisch. Verschwinde aus meinem Kopf, du Bundestagswahlgespenst. Durch den heutigen Tag hat mich allerdings die feste Entschlossenheit getragen meinen (vorhandenen?) Bloglesern mal wieder etwas Nahrung auf ihre leeren Teller zu geben. Zwar gibt es heute nur eine kleine Suppe, dürfte aber reichen um satt zu werden. Hab so viele Zutaten die letzten zwei Wochen nicht erhalten.

Der Frühling kehrt langsam ein in Helensville und mit ihm auch ein wenig der Alltag. Die Woche, wie ich sie vor kurzem einmal beschrieben hab, erhält nicht unbedingt viele Änderungen, hier und da mal eine Fahrt mit dem Van, ein bisschen im Haushalt helfen und entspannen, wie es meine Houseleaderin von mir neulich ausdrücklich verlangt hat. Ab und zu hält mich Agnes noch ganz schön auf Trapp, nach dem ihre deutschen Begriffe in letzter Zeit immer weniger geworden sind und ich mit meinem Deutsch beibringen nicht weit kommen werde (sie kann immer noch nicht mehr als „Auf Wiedersehen“), dachte ich die Anfangsphase als Freiwilliger überstanden zu haben. Falsch gedacht. Letzte Woche Freitag kam sie aus der Bibliothek wieder, Freude strahlend teilte sie mit: „Look Michael, I have a book about German Nazis!“ Nach dem die erste Verwunderung gewichen war, hab ich das mit einem einfachen „Interesting“ beantwortet, der Titel des Buchs lautet „Hitler’s Henchman (Handlanger) – The Nazis who shaped the Third Reich“. Als ich mich dann abends auf die Couch gesetzt hatte um auf Fabio zu warten kam Agnes aus ihrem Zimmer, mit einem Block in der Hand und sagte: „Here Michael, could you read these german words to me, please?“ Auf ihrem Zettel stand die gesamte „Elite“ des Dritten Reiches; Gobbels, Himmler, Göhring und Kumpanen. Als ich dies dann nach anfänglichen Protesten getan habe, hat sie mir das Buch dann kurz geliehen. In diesem sind 20 Kapitel zu jeweils 20 „Persönlichkeiten“ des Dritten Reiches. Die Kapitel tragen oft BILD- Zeitungsmäßige Überschriften; „Goebbels – Hitler’s Little Mouse- General“, „Gorilla Kaltenbrunner“ oder auch „Ilse Koch: The Bitch of Buchenwald“. Gott sei Dank hat sie nicht noch weitere Bücher hervorgeholt, da war es mir doch schon ganz Recht, als sie sich am Montag den Lonley Planet Frankreich ausgeliehen hat, jetzt les ich ihr französische Städte vor, was deutlich angenehmer ist.


Mit einem Stück deutscher Geschichte wurde ich auch schon einen Tag vorher konfrontiert. Da bin ich mit Tom in das „Auckland Museum“ gegangen. In dem man ungefähr alles zu Neuseeland finden kann, was man wissen möchte. Von Musik über Flora und Fauna, Kunst und natürlich Geschichte. Da die neuseeländische Geschichte nicht allzu viel hergibt, ist man vor allem auf die Teilnahme an den beiden Weltkriegen stolz. Deshalb widmete man diesen im Museum auch die ganze oberste Etage. Und was sieht man wenn diese über die Treppe erreichen will? Eine an der Decke hängende V1- Rakete.

Auch sonst stammte die Hälfte der Exponate aus der Kaiserzeit oder eben aus Hitlerdeutschland. Bei den Besuchern war nicht, wie in Deutschland üblich, eine Betroffenheit oder leichtes Kopfschütteln zu erkennen. Man spürte viel mehr ein großes Interesse, ab und zu hörte man dann schon ein „Look at this“, Tom und mir war schon etwas mulmig zu Mute.

Am letzten Wochenende habe ich dann einmal wieder der neuseeländischen Bierindustrie mit meinem Tui- Konsum etwas unter die Arme gegriffen. Auf dem Programm stand der 21. Geburtstag von Jonas, einem weiteren deutschen Freiwilligen im Mount Tabor Trust. Es sind extra noch ein paar andere Freiwillige nach Auckland gekommen um mit uns zu feiern. Die Geburtstagüberraschung war ziemlich genial geplant, wir wollten ihn entführen. Paea, Jonas seine Houseleaderin, hatte diesen nichts ahnend zu einem Spaziergang ausgeführt. Derweil haben wir uns getroffen und alles nochmals besprochen, dann sind wir an ihm ran geschlichen (ich hatte die Ehre das Auto zu fahren, durfte das Spektakel also bewundern) und fünf Mann sind auf ihn rauf. Allerdings ist Jonas ca. 1,91 groß und gut in Selbstverteidigung, somit hat er gleich zu Beginn rausgefunden wer dahinter steckt. Gefesselt haben wir ihn dann doch noch, anschließend gings in den Kofferraum mit ihm und die ersten Biere wurden geöffnet (da saß ich natürlich nicht mehr hinterm Lenkrad), dumm nur, dass an diesem Wochenende in ganz Auckland massig Polizeikontrollen durchgeführt wurden und man in Neuseeland keinerlei Bier im Auto trinken darf. Also schnell alle Biere versteckt, unter eine Jacke über Jonas geschmissen, die Polizistin hat uns alle sehr prüfend angeschaut, aber dann doch nichts beanstandet, die Momente des Zitterns waren vorbei, Glück gehabt. Das Aucklander Nachtleben an einem Freitag ist im Vergleich zum Samstag eher fad, wenig Menschen unterwegs und die Musik war nicht gerade anziehend. Trotzdem waren Fabio und ich erst um 5 Uhr morgens in Helensville, um acht musste ich dann wieder aus den Federn, den Samstag habe ich aber überraschenderweise ohne große Müdigkeitserscheinungen überstanden.


Die letzte Woche habe ich ausschließlich in meinem kleinen Dorf verbracht, eigentlich verlief diese auch ganz ruhig, eigentlich. Robbie, der hier immer nur tagsüber ist, hat ab und zu seine, ich würde sie mal als paranoide Phasen beschreiben. In diesen verflucht er Gott und die Welt, am Donnerstag war dann wieder so eine. Ich sitze am Frühstückstisch, da ich frei hatte war dies wieder einmal ca. 11.56 Uhr, plötzlich geht Robbie in die Küche und nimmt sich ein großes Küchenmesser, damit setzt er sich in seinen Sessel und tut vor meinen Augen und denen einer Betreuerin so als, wenn er sich dieses in den Hals stecken würde. Die Betreuerin meinte zwar, dass er sich nichts wirklich tun würde, aufgesprungen und das Messer aus seiner Hand genommen hat bzw. ist sie aber trotzdem. Das ganze war für mich dennoch ein Schock, ich hatte es schon drin gesehen, also das Messer in seinem Hals. Hier mal ein Foto von Robbie.



Jetzt dürfte die Suppe auch fast leergelöffelt sein, ich würde sie eher als durchschnittlich beschreiben. Zum Runterschlürfen bleibt mir nichts anderes übrig als zu einem morgigen Spaziergang und einem kurzem Abstecher im Wahllokal aufzurufen. Wenn ihr etwas Gutes für die dortigen Wahlhelfer tun wollt bringt ihnen eine Kanne Kaffee mit, ansonsten besteht die Gefahr, dass sie morgen einschlafen, verhindert dies bitte. Leider bleibt mir der sonntägliche Wahlabend erspart, ich mache daraus einen montäglichen Wahlmorgen, das bedeutet um halb 5 aufstehen. Gott sei Dank werden diese Nacht die Uhren vorgestellt, bin dann also euch schon 11 Stunden vorraus.

Euch allen einen DEMOKRATISCHEN Sonntag!


Bis demnächst!!

Grüßt die Kiwis!!!


Euer Michi

Donnerstag, 10. September 2009

Der Berg ruft.



Der Mount Taranaki - laut Mythologie der Maori soll er auf Grund einer Niederlage im „Liebeskampf“ mit Mount Tongarino um Mount Pihanga im Zentrum der Nordinsel beleidigt von dannen gezogen sein, bis ihn das Meer stoppte. Und so steht er da friedlich und einsam ca. 30 km vor der Westküste, ca. 2513 Meter hoch und gilt als einer der gefährlichsten Vulkane Neuseelands, eigentlich ist sein Ausbruchdatum schon längst überschritten. Also genau der richtige Ort um seine vier freien Tage zu genießen. Heute möchte ich euch vornehmlich von meinem verlängerten Wochenende berichten. Dann fangen wir mal an:

Am Donnerstag ging es sehr früh aus den Betten (wann bin ich das letzte Mal um 5.40 Uhr aufgestanden???), hab die Nacht bei Tom verbracht, da die Busanbindung aus meinem kleinen Kaff nach Auckland nicht die beste ist. In der City von Auckland angekommen sind wir in den schon wartenden Bus rein. Der Bustransfer in Neuseeland ist relativ günstig, allerdings braucht man auf Grund einer ziemlich erbärmlichen Infrastruktur recht lange um sein Ziel zu erreichen. Für uns ging es nach New Plymouth, ungefähr 368 km entfernt von Auckland, wir haben aber fast 8 Stunden benötigt. Aber als erfahrener Italien-, London, Winterurlaubbusfahrer war das noch halbwegs zu ertragen. Auf dem Weg nach New Plymouth geschah etwas für mich in letzter Zeit typisches. Um die Zeit etwas rumzukriegen wollte ich etwas Musik hören, allerdings offenbarte mir der Griff in meine Tasche nichts Gutes – mein Ipod war verschwunden. Nach Kamera, Handy und sonstigen Dingen der nächste verlorene Gegenstand? Dem ganzen Wochenende der Verzweiflung nahe, fand Tom ihn Gott sei Dank am Sonntag in seinem Zimmer, Glück gehabt. Am späten Donnerstagnachmittag sind wir dann jedenfalls in New Plymouth angekommen, genauer in Inglewood, wo wir von Johannes und Malte abgeholt wurden. Die beiden wohnen und arbeiten in einem Adventure Park, der dann auch noch mal 12 Minuten entfernt ist, also irgendwo im nirgendwo liegt. Was auch dazu führte, dass sie sich schon am zweiten Tag ein Auto gekauft haben - für umgerechnet 400 Euro, einen halbwegs passablen Mitsubishi Galant.


In ihrem Camp angekommen wurde erst einmal die deutsche Manneskraft benötigt. Da im Camp noch nicht allzu viel los ist, bauen sie dort ein kleines Haus. Unsere Aufgabe bestand es ein paar 3,8 cm dicke Holzwände auf einem Fundament zu befestigen, ein neuseeländischer Hausbau geht so einfach. Das Camp besteht größtenteils aus einem Klettergarten, der sich quasi gleich in deren Garten befindet.

Beide wohnen in diesem Haus in einer Art WG zusammen, wobei sie einen ca. 27 m² Raum haben, der gleichermaßen als Küche, Wohnraum und Schlafzimmer zu bezeichnen ist. Für Verpflegung bekommt jeder 15 Euro - die Woche; ein Hartz-IV- Empfänger in Deutschland erhält für Essen das Doppelte. Abends gab es Reis und süß- saure Sauce, anschließend ging es ins „Nachtleben“ von New Plymouth. New Plymouth hat ungefähr 47.349 Einwohner, also etwas größer als Eberswalde, von einem wirklichen Nachtleben kann man da also nicht sprechen, zumindest an einem Donnerstag. Wir haben uns einen Karton Bier (es gibt hier keine Kästen) geholt, genauer „Tui“- Bier. Das genießt in Neuseeland den Status eines Sternburgs, ist also mit das billigste hier, schmeckt aber dreimal besser. In einem Karton sind 24 Stück drin, wir haben davon dreieinhalb in drei Tagen geleert… Mit diesem geschmackvollen Gebräu ging es erst einmal eine Stunde an den Strand und danach in eine Bar. Jedoch hat meine Kondition nach einem 20 Stunden Tag schnell nachgelassen.

Da des deutschen liebstes Gesprächsthema das Wetter ist, werde ich auch einen Bericht darüber nicht aus dem Weg gehen. Tagsüber war es immer TRAUMhaft, man konnte die Wolken an einer Hand abzählen, allerdings sorgte der Wind für nicht ganz Jackenfreie Tage. Nachts hingegen konnte man feststellen, dass man sich doch immer noch im Winter befindet, Temperaturen um den Gefrierpunkt, das war auch für mich zu kalt.

Am Freitag haben wir dann den Kletterpark erkundet, was auf Grund meiner leichten Höhenangst schon eine Herausforderung war, vor allem das balancieren auf einem Holzbalken in etwa 7,45 Meter Höhe.

Tom et moi.

Anschließend ging es wieder nach New Plymouth, wo wir zuerst durch einen urigen Park gelaufen sind. Danach war es dann endlich so weit – ich besuchte mein erstes Rugby- Spiel. Gespielt hat TenderLink Taranaki gegen North Harbour im Air New Zealand Cup. Kurz zur Erläuterung: Der Air New Zealand Cup ist in etwa mit der Bundesliga zu vergleichen, allerdings spielen nicht Mannschaften aus verschiedenen Städten gegeneinander, sondern aus unterschiedlichen Regionen Neuseelands. Taranaki ist derzeit im nirgendwo der Tabelle wiederzufinden, North Harbour im Tabellenkeller. Wie auch immer, es ging dann am Freitagabend ins eiskalte Yarrow Stadium. Da ich einfach meinen völlig verranzten, ungültigen (hab ihn mit Absicht nicht abgegeben, wer weiß ob man den noch mal gebrauchen kann) Schülerausweis an der Kasse vorgezeigt habe kam ich sogar für nur 5 NZ$ (1 € = 2,0964 NZ$) rein. Das Stadion war gut 1/3 gefüllt, also ca. 8.432 Zuschauer, es hat im Endeffekt nur die Haupt- und Gegentribüne, die Kurven sind für Stehplätze gedacht, allerdings stand da fast niemand.

Dann gings also los. Nach gut 6 Wochen in diesem wunderschönen Lande muss ich jedoch gestehen, dass mir die Regeln dieses Sports noch sehr fern sind, genaue Erläuterungen vielleicht ein andermal. Das führte auch dazu, dass bei uns recht schnell Langeweile aufkam, wie, wir hatten zumindest das Gefühl, auch bei den anderen Zuschauern. Wirklich Stimmung kam erst am Ende auf – beim Abpfiff, weil Taranaki mit 17 zu 13 gewonnen hatte. Ab und zu wurde auch gejubelt, wenn ein sogenannter „Try“ gelungen war, vergleichbar mit einem Touchdown beim Football. Ansonsten musste der Stadionsprecher die Zuschauer mit „Let’s make some noise Taranaki“ motivieren, was ihm eher mäßig gelang. Hier mal eine typische Rugbyszene, ein Gedränge.

Ein erwähnenswertes Ereignis gab es während des Spiels dann noch, bzw. in der Halbzeitpause. Da zu einem guten Fußballspiel in Deutschland auch eine gute Bratwurst gehört, bin ich mit einer gewissen Anspannung zum Imbissstand. Was ich da allerdings zu Gesicht bekam, hätte ich mir nicht in meinen kühnsten Träumen ausmalen können. Ich bestellte eine „grilled sausage“, der Verkäufer schmiss mir dann recht gefühlskalt eine nahezu verschlossene Papiertüte hin, ich war schon kurz davor zu protestieren, dass ich ja eine Bratwurst haben wollte, bis ich feststellen musste, dass sie das war. In der Tüte befand sich ein kleiner Holzstiel an dem die überbackene „Wurst“ befestigt war. Keine Chance den nicht vorhandenen Senf oder auch nur Ketchup unterzubringen. Das ganze hatte etwas von einem Eis. Insgesamt kommt sie zwar nicht an eine deutsche Wurst ran, aber sie war zumindest genießbar.

Nachdem wir alle so ziemlich durchgefroren waren, wurden erst einmal ein paar Tui im warmen Auto getrunken, anschließend sind wir dann in ein, zwei „Clubs“. Da gab es dann auch ein Vorkommnis, welches ich wohl bis zu meinem Ableben nicht mehr vergessen werde. Im Großen und Ganzen wird hier dieselbe Musik in den Clubs gespielt, wie auch in Italien, Deutschland oder sonst wo, hauptsächlich ein Mix aus Techno und Pop, oder so. Am Freitagabend standen wir vier Deutschen dann in einer Disco in New Plymouth, 23.500 Kilometer entfernt vom heimatlichen Deutschland und eine bekannte Stimme erklang plötzlich aus den Boxen des „Crowded House“; es war „Hey Baby“ von ja von DJ Ötzi, wir vier hätten am liebsten eine Schaufel genommen und uns vergraben, nicht so die Kiwis. Zu keinem anderen Hit sind sie an diesem Abend so abgegangen wie zu diesem, verrücktes Volk.

Am nächsten Morgen mussten wir etwas früher aufstehen, eine weitere Premiere stand an – mein erstes neuseeländisches Fußballspiel, wobei ich natürlich nur als Zuschauer fungierte. Johannes ist einem Fußballverein letzte Woche mehr oder weniger beigetreten, nach seinem ersten Training sollte er auch gleich am Samstag mitspielen, war zwar etwas illegal, aber wen kümmert das schon. Es war das letzte Spiel der Saison für sein Team, wer gewinnt spielt nächstes Jahr eine Liga höher. Man ließ uns wissen, dass es ungefähr mit der deutschen Landesklasse zu vergleichen wäre, also vom tabellarischen her. Von der Qualität hätte allerdings auch Grün- Weiß Golzow II und SV Tornow III auf dem Platz stehen können, es war recht grausam, großartige Details erspar ich euch. Nur so viel; nachdem Johannes Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde viel 9 Sekunden später das 1:1 gegen sein Team, am Ende stand es 2:2. Auch die Verlängerung brachte keine Entscheidung, also Elfmeterschießen. Beim Stande von 7:7 durfte dann auch Johannes ran, der Schütze vor ihm verschoss und wie es sich für einen deutschen Fußballspieler gehört verwandelte Johannes den entscheidenden Elfmeter, da war er natürlich der Held. Nach dem Fußball sind wir zu dem schon benannten Mount Taranaki gefahren und sind ein wenig rumgewandert, da wurden wieder Erinnerungen an die letzten beiden Sommer wach; das Wandern ist des Müllerslust!


Den Abend haben wir dann zur Abwechslung mal zu Hause verbracht, bei Pasta, einem Film und natürlich ein paar Tui, dass war auch mal recht entspannend. Sonntags mussten Tom und ich dann auch schon wieder die Rückreise antreten, vormittags noch Bilder getauscht, haben uns Johannes und Malte um eins zum Bus gefahren. Insgesamt war das mit Abstand das beste Wochenende am anderen Ende der Welt. Aber es hat mir auch gezeigt, dass ich mit meinem Projekt sehr zufrieden sein kann. Vielleicht mag deren Arbeit etwas spannender sein, aber die Verpflegungs- und Wohnsituation ist nicht unbedingt optimal, außerdem sind die beiden die ganze Zeit zusammen, weiß nicht ob das so gut für das Englisch ist. Wie auch immer, ich war glücklich wieder zu Hause zu sein.

Da hat mich dann auch ziemlich schnell die Realität wieder eingeholt. Am Dienstag hat sich Rachel, eine der Behinderten, mit unserer „housleaderin“, ich find immer noch kein deutsches Wort dafür, gezofft. Was dazu führte, dass Rachel ihre Sachen gepackt hat und samt ihrem Kuscheltier, einem großen Bären, von dannen gezogen ist. Anfangs meinte Cathy, dass Rachel gleich wiederkommen wird, als sie allerdings nach einer Stunde immer noch nicht da war, meinte sie ich soll mal mit Shane(einem Behinderten, der einmal die Woche da ist) durch Helensville fahren und nach ihr suchen. Wir haben dann bestimmt eineinhalb Stunden fast alle möglichen Anlaufpunkte abgefahren, aber von Rachel keine Spur. Als letzte Möglichkeit bot sich dann noch eine Farm, die auch zu Mount Tabor gehört. Dort haben wir sie auch gefunden, in einem Wohnwagen liegend und voller Dreck beschmiert.

Gerade genieße ich die letzten Stunden meiner zwei freien Tage. Viel gemacht habe ich nicht. Die Hälfte des Tages ging allein schon drauf weil ich erst um 12 Uhr gefrühstückt hab, als die anderen ihr Mittag hatten. Gestern jedoch war dann wohl für mich der bisher wichtigste Tag in diesem Jahr, meine Wahlunterlagen sind endlich angekommen.


Wen wähle ich denn nur? Gut, die Setzung der Kreuze war nicht allzu schwer, die richtige Verfahrensweise schon, vor allem wenn es an roten, gelben und grauen Umschlägen und Papier nur so wimmelt. Aber ich denke ich habe es dann doch hinbekommen, hoffentlich kommen sie auch noch rechtzeitig an.

Oh Gott, schon wieder so viel. Zum Abschluss nur noch dies: Heute wurde das Büro des Premierministers angezündet, ca. 30 Kilometer von hier und Samoa hat am Dienstag von Rechts- auf Linksverkehr gewechselt. In diesem Sinne.


Bis zum nächsten Mal, vielleicht dann schon in etwas anderer Form!

Euch einen guten Start in den Herbst :)!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi

Mittwoch, 2. September 2009

Schneller als gedacht,

hab ich jetzt ein paar Bilder hochgeladen. Manch einer fragt sich jetzt vielleicht: Liegt das wohl an der hervorragenden Laune die er hat, welche durch die atemberaubenden Wahlergebnisse der SPD vom Sonntag hervorgerufen wurde? Diese Frage kann ich schon einmal verneinen. Ich bin frohen Mutes gestern Morgen etwas früher aufgestanden um mit einer guten Stimmung in den Tag zu starten. Diese kam allerdings in Anbetracht der Balken und Halbkreise nicht auf. Wollt eigentlich gleich wieder einschlafen, als ich hörte, dass unser Kanzlerkandidat den Sonntag als „guten Tag für die SPD“ beschrieb. Ich find das auch ganz Klasse, wenn wir uns bei Ergebnissen um 20, 15 oder sogar 10 Prozent im „Aufwind“ befinden. Ein Hoch auf die deutsche Sozialdemokratie.

Genug von Politik, wollt das einfach mal loswerden. Nein, der eigentliche Grund für mein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis ist, dass ich von morgen Abend an, vier Tage frei hab und deshalb wahrscheinlich keine Zeit finden werde euch zu schreiben und Bilder hochzuladen. Schaun ma mal.

Im Folgenden will ich euch anhand ein paar Bilder mal zeigen was ich hier die Woche über mache. Man kann nicht sagen, dass ich jede Woche immer das Gleiche tue, aber im Großen und Ganzen doch. Egal. Fangen wir, wer hätte das gedacht, mit Montag an.

Und da kommt auch gleich eine Überraschung für alle: Montag ist der Tag nach dem Wochenende und das merkt man auch. Montags ist nicht allzu viel los, außer vielleicht ein Meeting. Also hab ich genug Zeit meinem neuen Hobby nach zu gehen:

Genau, das Bad putzen. Das muss ich jeden Tag machen, manchmal bin ich auch noch fürs zweite verantwortlich. Ein Glück legt meine houseleaderin relativ viel Wert auf Hygiene und Sauberkeit, was man bei weitem nicht von allen Neuseeländern sagen kann, aber davon irgendwann etwas mehr. Einmal im Monat gehe ich ab jetzt jeden Montag mit Agnes ins Kino.

Das ist Agnes, der ich jetzt etwas Deutsch beibringen soll. Gestern haben wir uns „Inglorious Bastards“ angeschaut. War schon merkwürdig in einem neuseeländischen Kino zu sitzen und einen Film zu sehen in dem die gut Hälfte der Schauspieler aus Deutschland kommt und dazu noch mehr als die Hälfte des Films Deutsch gesprochen wird. Musste Agnes gleich nachdem Film erst einmal sagen, dass an der Geschichte kein Funken Wahrheit ist, was sie allerdings nicht groß gestört hat. Heute hat sie bestimmt jeden ihrer Freunde erzählt, dass sie ganz exklusiv weiß, dass Adolf Hitler in einem Pariser Kino umgebracht wurde. Egal, der Film war trotzdem klasse, kann ich nur empfehlen.

Dienstag, also heute, war, ist mit der ereignisreichste Tag. Letzte Woche war hier großer Trubel da die Zwillinge Geburtstag gefeiert haben.

Das sind Ron und Roy. Normalerweise fahren wir vormittags immer zu einer kleinen Farm, wo dann mit anderen Behinderten gekocht wird. Am Nachmittag geht es dann zum Basteln, bzw. Malen.

Wo wir (der brasilianische Freiwillige und ich) nichts großartig machen, außer irgendwelche Spiele spielen.

Fabio and me. Beim Vier gewinnt bin ich immer überlegen, beim Murmeln- nicht-in- die- Löcher- kommen- lassen (keine Ahnung wie das heißt) zeigt sich wieder mein Geschick für Geduld und ich verliere immer.

Am Mittwoch müsste ich die beiden Mädels (Foto von Rachel siehe Ordner) zum Tanzen fahren und trinke anschließend einen Kaffee mit den Zwillingen, das war bis vor einer Woche so. Hab jetzt aber meine zwei freien Tage getauscht um die mit einem deutschen Freiwilligen zu verbringen. Tom arbeitet auch für Mount Tabor Trust (das ist das „Unternehmen“), aber in Auckland. Da war ich dann letzte Woche Mittwoch und Donnerstag und hab mit ihm Auckland erkundet.

Voller Stolz kann ich jetzt behaupten, dass ich jetzt schon auf dem höchsten Punkt, der südlichen Hemisphäre war, dem Sky Tower. Insgesamt ist der 328 Meter hoch, die Besucherplattform hat eine Höhe von 220 Metern.

Naja, vom Eifelturm sah es etwas schöner aus. Am Donnerstag waren wir dann noch im Auckland Zoo. Neben den üblichen Nashörnern, Löwen, Affen und, und, und hab ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Kiwi gesehen. Was allerdings nicht so unbedingt spannend war, da er in einem total dunklen Raum gehalten wird, tagsüber schläft und halbblind ist. Was für ein Nationalheiligtum. Bilder folgen, wenn ich mal einen in besserer Sicht vor die Linse kriege.

Freitags dann wieder zu Hause ist außer dem üblichen Bad- Putz nichts los. Fahr die Behinderten zur Bank und dann gehen sie ein wenig shoppen, das wars im Großen und Ganzen. Hängt auch viel vom Wetter ab was man machen kann, das wird jetzt langsam besser.

Am Samstag kommt dann meine große Stunde, ich muss kochen.

Klingt allerdings schlimmer als es im Endeffekt ist. Muss mir meistens nur einfallen lassen was ich mit den Kartoffeln mache(am Samstag gabs mein erstes selbstgemachtes Kartoffelpüree, Wahnsinn), Tiefkühlgemüse wird aufgetaut und dann ein bisschen das Fleisch gebraten. Da hab ich auch gleich eine Aufgabe für meine, falls überhaupt vorhandenen, Leser. Ich soll ihnen jetzt in Zukunft typisch deutsches Essen kochen. Was könnte ich da machen, außer Sauerkraut, Kartoffeln und Schweinefleisch. Was ist eigentlich typisch deutsche Küche? Ist doch schon ziemlich Regionen gebunden. Wäre sehr dankbar, wenn mir jemand helfen könnte. Wahrscheinlich muss ich jetzt auch immer montags kochen, da soll es dann vermehrt Nuddeln geben.

Ansonsten ist das Wochenende sehr entspannend. Fahren jeden Sonntag zum Strand und trinken da Kaffee. Außerdem ist dann Samstag oder Sonntag Kirche, der ich in Zukunft wohl (vielleicht kontaktiert mich ja Jesus in Zukunft doch mal) lieber fern bleibe.

Das war in sehr grober Form meine Woche. Obwohl, eine Sache muss ich dann aber noch unbedingt unterbringen. Neben dem Klo putzen, habe ich ein weiteres Hobby gefunden; das Puzzeln.

Es ist unglaublich entspanned einfach mal eine Stunde 1000 winzig kleine Teile zusammenzubringen, bzw. dies zu versuchen. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Puzzel so schwer sein kann, das steigert nur noch meinen Respekt vor den Zwillingen.

So meine lieben Freunde vom anderen Ende der Welt. So neigt sich nun auch dieser Blogeintrag dem Ende zu. Damit ihr jetzt immer wisst wie spät es bei mir ist hab ich mir jetzt für meine Seite eine Uhr gekauft, außerdem hab ich jetzt ein Fotoalbum eingerichtet. Schaut zwar noch etwas leer aus, wird sich demnächst sicher füllen.

Mit einem Blick aus meinem Fenster verabschiede ich mich dann.


Ich wünsche euch schon einmal eine geruhsame Nacht!

Bis zum nächsten Eintrag ist es sicher nicht weit!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi

Sonntag, 23. August 2009

Ein herzliches Kia Ora!

(Kia Ora bedeutet soviel wie „Hallo“ – auf maori; die Sprache der Ureinwohner, der Maori^^)

Erst einmal bitte ich die Verzögerung dieser Blogeintragung zu entschuldigen, wenn man immer bis circa 22 Uhr „arbeitet“ ist man gedanklich nicht mehr in der Lage noch einen konstruktiven Eintrag zu erstellen. Deshalb schreibe ich jetzt auch aus dem Bus nach Auckland (bzw. fange ich ihn an), mit Blick auf unzählige Schaffe und Kühe dürfte mir jetzt doch einiges einfallen. Was macht also nun ein deutscher Zivildienstleistender (eigentlich, laut ICJA und Ministerium für Zivildienst, Teilnehmer eines freiwilligen soziales Jahres im Ausland) in Neuseeland? Im Endeffekt nichts anderes als all die die in Krankenhäusern, Altersheimen, in Schulen, Parks und sonst wo 9 Monate dem deutschen Steuerzahler zur Last fallen. Nur, dass ich dies 12 Monate tue, hier die Autos auf der linken Seite fahren und etwas mehr Grün in meiner Umgebung ist. Nun gut, meine Arbeit hier ist möglicherweise dann doch noch etwas anders im Vergleich zu den anderen Freiwilligen, aber komme ich nun dazu was ich genau mache.

Ich wohne, arbeite und lebe in einer Art WG mit vier bzw. fünf geistig behinderten Menschen, die ich euch jetzt erst einmal vorstellen will. Bitte versucht aus den Beschreibungen nicht allzu viel Wertung herauszunehmen, mir gefällt es hier wirklich sehr gut, möglicherweise könnten einige Formulierungen missverstanden werden, das liegt dann wohl an meinem mangelnden Wortschatz, egal komme ich jetzt endlich zu dem eigentlich wichtigen dieses Blogs:

Ron und Roy sind Zwillinge, werden am Dienstag 78 Jahre alt und sind schon von Geburt an taub. Den größten Teil des Tages verbringen mit puzzeln. Eintausend Teile oder manchmal sogar mehr, man stört sie nur ungern dabei. Beide sind trotzdem recht unterschiedliche Charaktere. Ron mag junge, leichtbekleidete Damen, immer wenn eine solche im Fernsehen auftritt freut er sich wie ein kleiner Junge, sein Bruder schüttelt dann immer mit dem Kopf. Der schaut sich lieber Kriegsfilme an. Neulich hat er sich Pearl Harbour (als Video, somit ohne Untertitel) gekauft. In einer Woche hat er sich das bestimmt schon fünfmal in seinem Zimmer angeschaut, dann kommt er wieder zu uns ins Wohnzimmer und imitiert die Japaner wie sie auf die Amerikaner geschossen haben, dabei zeigt er auf einen unserer Betreuer, einen waschechten Ami.

Rachel ist 39 Jahre alt und leidet an Autismus. Sie ist eigentlich eine ganz liebe, wenn allerdings mal etwas nicht nach ihren Vorstellungen verläuft kann sie auch ganz schnell wütend werden. Vor kurzem durfte sie nicht in die Schwimmhalle da sie etwas erkältet war, daraufhin hat sie sich dann in ihr Zimmer eingeschlossen und hat mit ihren ganzen Sachen nur so um sich geworfen. Ihr ganzes Zimmer besteht fast nur aus Kuscheltieren und Luftballons so ist also nicht allzu viel zu Bruch gegangen, außerdem fotografiert sie für ihr Leben gern. Am meinem ersten Tag war ich dann auch gleich ihr Motiv, so hängt jetzt ein ziemlich erbärmliches Bild (bezogen natürlich auf mich, da ich grad bei der Küchenarbeit fotografiert wurde) von mir bei uns in der Küche.

Agnes leidet ebenfalls an Autismus und ist 63 Jahre alt. Gleich als ich ankam hat sie mich gefragt ob ich ein Vegetarier sei, aus welchem Bereich Deutschlands ich komme, als sie dann herausgefunden hat, dass ich aus dem wunderschönen Osten der Republik komme hat sie noch gefragt ob ich ein Kommunist sei, diese Frage hab ich natürlich verneint. Über Agnes könnte man Stunden schreiben, ich versuche mich kurz zufassen. Ihre Hobbies sind Geografie und Geschichte. Vor allem die Geschichte des britischen Königshauses, davon hat sie eine ganze Reihe Bücher, da kommen dann zwangsläufig geografische deutsche Namen vor. Am Abend meines ersten Arbeitstages kam sie mit einer ganzen Seite voller deutscher Städte, Flüsse und anderen geografischen Sachen an, sie hat mich dann gefragt wie ich die alle ausspreche(„we call it … I don‘ how you call it in german“). Das geht jetzt fast jeden Abend so, manche Dinge hat sie mich schon mindestens fünfmal gefragt, aber sie findet doch immer was Neues. Jetzt soll ich ihr mittlerweile richtig Deutsch beibringen, mal sehen was sie in vier Monaten so drauf hat, wenn ich die WG verlasse. Sie sagt dann ihren Freunden immer; „That’s Michael, he teaches me german.“

Robbie ist 40 oder so, leidet unter Paranoia und ist immer nur tagsüber bei uns. Außer einmal im Monat schläft er am Wochenende hier und das ist genau dieses. Was gestern Morgen dazu führte, dass er um halb sieben aufgestanden ist und brutal laut an meine Tür geklopft und mich somit wach gemacht hat, er wollte seine zwei Morgenzigaretten haben. Er ist passionierter Raucher, wenn er könnte würde Robbie eine ganze Schachtel am Tag rauchen, er darf aber nur 7 Zigaretten am Tag verzehren, sonst läuft er Gefahr zu sterben. Wenn er die mal nicht bekommt kann er ganz schön laut und beleidigend werden („you are a fucking idiot“ hat er neulich zu einer Betreuerin gesagt), am Freitag musste auch die Polizei kommen und ihn mitnehmen, weil er den Chef beleidigt hat. Wenn er aber in einer guten Stimmung ist, kann er ganz nett und hilfsbereit sein, ich komme recht gut mit ihm klar.

Das waren dann die „core people“ wie sie genannt werden. Dann wohnen mit mir noch zwei Betreuer im Haus; Cathy und David. Cathy ist der „houseleader“ (find keine passende deutsche Bezeichnung), sie hat den Laden hier im Griff. David ist, wie schon erwähnt, Amerikaner und arbeitet seit vier Monaten hier. Man könnte sagen, so stellt man sich einen Ami vor. Am ersten Abend hat er mir gleich erst einmal eine Lektion zum Thema(deutscher) Geschichte gegeben; ohne die Amerikaner wäre der Zweite Weltkrieg nicht zu Ende gegangen und nur wegen ihnen konnte die Mauer zu Fall gebracht werden. Auf Grund, von bis dahin noch, mangelndem Vokabular habe ich ihm mal in dem Glauben gelassen. Im Großen und Ganzen ist er aber in Ordnung.

Was mache ich nun hier in good old Helensville (Helensville hat ungefähr so viele Einwohner wie Lichterfelde, ist 45 km von Auckland weg und gilt hier fast schon wie eine kleine Großstadt)? Um acht gibt es Frühstück, danach putze ich meistens eins oder zwei der drei Bäder. Anschließend fahre ich dann die core people mit dem Van durch die Gegend, was ungeheuren Spaß macht, man gewöhnt sich ganz schnell an die linke Seite. Zum Basteln, Kochen, samstags oder sonntags in die Kirche, Tanzen, etc.. Einen genauen Wochenablauf kann ich ja beim nächsten Mal liefern. Dann hänge ich noch die Wäsche auf, koche immer samstags(gestern gabs Steak, Kartoffeln und neuseeländisches Tiefkühlgemüse, die Stimmung am Tisch über mein Essen war eher durchwachsen) und schaue DVD. David hat ca. 59 DVDs, da war fast jeden Abend eine drin. Zwei Tage hab ich in der Woche frei, die ich meistens mit Tom (einen anderen Freiwilligen, der aber in Auckland ist) verbringe. Dann ist hier in Helensville noch ein brasilianischer Freiwilliger, Fabio, mit dem ich ab und zu in mein Karin- Ersatz- Lokal(für Unwissende; dass ist die „Haltestelle“ in Eberswalde) gehe, zwar fehlt die Bowu und das Weizen, aber immerhin haben sie hier zwei ordentliche Pooltische. Gestern Abend sind wir ganz spontan noch nach Auckland gefahren und haben uns ein Rugby- Spiel der All Blacks (die neuseeländische Rugby Nationalmannschaft) im Pub angeschaut. Rugby ist hier nicht nur einfach eine Nationalsportart, es ist fast schon eine Religion, wenn die All Blacks mal verlieren, wie vor zwei Wochen, dann herrscht im ganzen Land eine Trauerstimmung, wenn sie, wie gestern (19:18 gegen Australien), gewinnen, ist hier mehr los als auf
jeder WM- Fanmeile in Deutschland.

Wie Ihr sicher schon gemerkt habt sind die letzten Zeilen nicht mehr im Bus entstanden, sondern in meinem luxuriösen Zimmer, in dem ich nun auch diese Eintragung auch beenden werde. Mein Fazit nach zwei Wochen ganz knapp: es gefällt mir hier sehr, schaun mal wie sich das entwickelt. Tut mir Leid für die Überlänge, aber kurzfassen war ja noch nie so wirklich eine meiner Stärken. Bilder werden sicherlich in den nächsten zwei Wochen folgen (unten ist ja schon mal eins), wie hoffentlich auch die eine oder andere Verbesserung auf dieser Seite. Wahrscheinlich werde ich es auch zur Pflicht machen, dass alle die die meinen Blog lesen wollen in einem Monat die SPD wählen müssen. Irgendwie müssen wir ja zumindest die 5- Prozenthürde knacken. In diesem Sinne.

Bis demnächst!

Ein Gruß an euch alle!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi

Haere ra („Auf Wiedersehen“)

Montag, 10. August 2009

Ja, er lebt noch!

(Verfasst am: 03.08.2009; 22:03 Uhr)Schön das ihr bzw. sie (Personen die von mir bisher das „Sie“ gewohnt waren, sind bitte jetzt nicht enttäuscht, wenn ich im Laufe meiner Einträge auf diese Höflichkeitsformel verzichten werde) nun auch meine Blogseite im Internet gefunden habt. Sieht noch ein wenig düster hier aus, das wird sich aber demnächst sicher ändern. Hoffentlich mach ich nicht allzu viele Rechtschreibfehler, meine Schrift bleibt euch ja zumindest schon einmal erspart. Fotos will ich hier dann auch irgendwann reinstellen, allerdings dürfte das etwas dauern, warum? Das erfahrt ihr, wenn ihr noch ein wenig weiterlest.

Ich melde mich nun also vom andern Ende der Welt, genauer genommen von der Nordinsel Neuseelands, noch genauer aus der 100.000- Einwohnerstadt Tauranga und ganz genau von einem Campingplatz etwas außerhalb der Stadt. Lieg hier grad recht gemütlich in einem warmen Bett. Draußen sind grad ca. 4,3 Grad und es regnet, wie ihr sicher wisst ist hier Winter, wobei man das vor allem nachts wirklich merkt. Ansonsten scheint relativ konstant die Sonne.

In unserem Zimmer (wohl eher näher beschrieben als ein nicht isolierter Raum von 16,7 m² und 4 Doppelstockbetten) sind 4 Deutsche, ein Amerikaner, ein Brasilianer und ein Däne. Ich absolviere hier eine Art Orientation Camp über eine Woche in der hauptsächlich Englisch unterrichtet wird. Von den 43 Teilnehmern sind 23 deutsch. Der Flug war nicht so schlimm wie ursprünglich gedacht, die Busfahrten nach London und Bella Italia waren um einiges anstrengender und unkomfortabler. Insgesamt waren wir schätzungsweise 30 Stunden unterwegs, unser erster August hatte sage und schreibe 17 Stunden. Mein Körpergeruch war allerdings in Auckland nicht mehr ganz der beste, aber als erfahrener Wanderer ist man das ja schon gewohnt. Das Essen war überraschend lecker, wobei wir in den 25 Flugstunden 2 mal Abendbrot und Frühstück und einmal Mittag bekamen. Alles in allem war der Flug recht entspannend, hätte ich da nur nicht meine Serie der verloren gehenden Dinge innerhalb eines Monats fortgesetzt. Nachdem Handy, zwei Hüten und meiner Jacke (die ich Gott sei Dank wiederbekommen hab) war nun diesmal meine Kamera an der Reihe, deswegen erst einmal die Verzögerung mit den Bildern, vermutlich wurde sie gestohlen.

Heute konnte ich dann zum ersten Mal dieses wunderschöne Land genießen, sind auf einen ca. 200 Meter hohen Berg gewandert, den Mount Managui, oder so. Die Aussicht von da oben war natürlich traumHAFT, ansonsten kann man es ein wenig mit Irland vergleichen, lauter Schafe (auf einen Neuseeländer kommen insgesamt zehn dieser weniger belichteten Tiere) und die dominierende landschaftliche Farbe ist ebenfalls grün.

Nun gut, werd dann mal langsam zum Ende kommen. Hoff mal, dass ich das mit dem Blog regelmäßig machen werde, wenn es was zu berichten gibt werde ich es auch wissen lassen. Mal schauen wie viele am Ende noch dabei sind, also so in 355 Tagen. Ihr könnt natürlich auch eure Meinung dazuschreiben, indem ihr dann einen Kommentar einfügt.

Bis demnächst!

Hab euch alle lieb!!

Grüßt die Kiwis!!!

Euer Michi