Mit eintägiger Verspätung wünsche ich euch allen ein nüchternes, ereignisreiches und glückliches Jahr 2010. Hoffentlich habt ihr alle einen nicht allzu frostigen Jahreswechsel gehabt, ich hatte 19 Grad und fast keine Wolke am Himmel. Aber nicht nur in dieser Hinsicht war mein New Year merkwürdig, zu allererst da ich einer der ersten Menschen dieser Welt war die ins neue Jahr gefeiert haben und natürlich waren die Personen in meiner Umgebung mit denen angestoßen wurde, auch wenn schon seit mehr als fünf Monaten bekannt, nicht die gleichen wie die letzten Jahre, egal ordentlich getrunken wurde trotzdem. Fast alle Freiwilligen haben sich zu Sylvester in Queenstown getroffen, eine für neuseeländische Verhältnisse mit knapp 10.000 Einwohnern fast schon Großstadt. Queenstown liegt auf der Südinsel ungefähr auf sieben Uhr, vielleicht aber auch acht und ist sowas wie die Adventurestadt Neuseelands. Man kann hier alles Mögliche machen, von Bungy Jumping, Canoying, River Rafting, Fallschirmspringen, Jetboating, Hauptsache ist, dass das Adrenalin nur so fließt. Auf Grund von so viel Adventuresachen sind automatisch viele junge Menschen hier und ganz besonders natürlich zu New Year, obwohl viel untertrieben ist, die Straßen waren voll von Nachfahren des Homo Sapiens, hatte schon Fanmeilen ähnliche Verhältnisse und mittendrin waren wir Freiwilligen. Viel über mein New Year werde ich wohl an dieser Stelle nicht berichten, das Feuerwerk habe ich noch bei vollem Umfang mitbekommen und mir ging es am Morgen danach besser als gedacht, reicht. Geknallt wurde hier übrigens fast gar nicht, nur ein Feuerwerk auf dem See, sonst wars das, die Kiwis verballern ihr Geld, wie die Briten ja auch, schon am 5. November, Gunpowder Day, falls ihr davon schon mal gehört habt.
Der Rest des ersten Januars wurde wie all die Jahre auch größtenteils im Bett verbracht, es wurde zwar kein Skispringen geguckt, aber auch sonst war er eine Verschwendung. Dafür wurde dann heute richtig ins neue Jahr gestartet. Wir sind nach Wanaka, circa 70 Kilometer von Queenstown, genauer genommen zu einem kleinen Flughafen, dort sind wir nach halbstündiger Vorbereitung in eine kleine Maschine, die um 10.30 Uhr in die Lüfte gestiegen ist. Nach einem kleinen Rundflug sind wir auf ungefähr 4.600 Metern Höhe angekommen und auf einmal hat sich dann die Tür geöffnet. Da ein solcher Flug ja ganz interessant, aber nichts Weltbewegendes ist, bin ich einfach mal raus gesprungen, jepp so war das. Selbstverständlich war ich nicht allein, ein Mann, der das in seinem Leben schon über siebentausendmal gemacht hat, hing an meinem Rücken. Es war atemberaubend, ach mehr als das. Die Überschrift meines Blogs bezieht sich natürlich auf dieses Ereignis, aber in Wirklichkeit ist sie nicht ganz richtig, denn es gab nämlich keine Wolken. So viel Pech wie wir die letzten Tage mit unserem Wetter auch hatten, der liebe Gott hat sich all das für diese Minuten aufgehoben, ein Freier Fall von sechzig Sekunden und im Hintergrund die Alpen Neuseelands, diese einzigartige Landschaft und nur die Sonne am Himmel. Nach einer Minute öffnete sich dann auch schon der Fallschirm und fünf Minuten später war auch alles schon vorbei. Mein erster Fallschirmsprung, oder besser Skydive, wie es im englischen heißt, klingt cooler. Hier noch ein paar Bilder, eine DVD gabs auch, mal sehen wie ich die hier einbauen kann.
Noch vorm Sprung. Links Till. Hinter mir mein Lebensretter.
Und raus mit mir.
Bitte Lächeln.
Sandflies, Mücken, Sandflies.
Ich möchte euch aber natürlich nicht meine letzten Tage im alten Jahr vorenthalten. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Fährüberfahrt. Nachdem wir dann am ersten Weihnachtsfeiertag nachmittags in Picton angekommen sind stand noch eine zweistündige Fahrt an. Ziel war wieder einmal ein Christian Camp, in dem wir kostenlos übernachten konnten. Dort angekommen waren wir die einzigen Gäste, der Besitzer des Camps hatte mit seiner Familie Weihnachten gefeiert. Da er jede Menge Reste vom Weihnachtsessen übrig hatte bot er uns gleich an doch ordentlich zuzugreifen, da konnten wir selbstverständlich nicht nein sagen. Auch sonst hat er uns für die zwei folgenden Tage Unmengen an Essen angeboten. Am zweiten Weihnachtstag sind wir dann zu unserer ersten kleinen Wandertour. Gewandert wurde in drei Tagen der Abel Tasman Track im Norden der Südinsel, es ging entlang der Nordküste, durch Regenwälder und Strände, der Schwierigkeitsgrad war nicht allzu hoch, eher was zum entspannen. Aber es war sehr schön, zum ersten Mal habe ich im pazifischen Ozean gebadet, war jetzt nicht unbedingt anders als im Atlantik. Geschlafen haben wir in Hütten, die insgesamt 30 Menschen beherbergen konnten. In der ersten Hütte existierten zwei Schlafräume, die jeweils ein riesengroßes Doppelstockbett hatten in denen 15 Personen schlafen konnten, ich hoffe ihr könnt euch das einigermaßen bildlich vorstellen, 15 Menschen in einem 16,34 m² großen Raum, es war eine der schrecklichsten Nächte meines ganzen Lebens. Hat einmal ein Mann in der Ecke aufgehört mit Schnarchen, hat fünf Minuten später neben dir der andere angefangen, dann gabs noch ein paar Tritte von deinem Nachbarn und jede Minute hat sich einer bestimmt in seinem Schlafsack umgedreht. Die zweite Hütte wurde dann nur mit fünf anderen Wanderern geteilt, die war dann deutlich angenehmer.
Mit einer ganz besonderen Spezies an Tieren haben wir es in diesen Tagen sehr intensiv zu tun bekommen, den neuseeländische Sandfliegen, oder einfach Sandflies. Diese garstigen, 0,5 Zentimeter großen Biester gibt es vorwiegend auf der Südinsel und sie sind überall. An sich wäre das ja gar nicht so schlimm, wenn sie nicht das menschliche Fleisch sehr delikat finden würden, es zieht sie quasi magisch an. Ihr Biss ist anfangs kleiner als der einer Mücke, entwickelt sich dann aber die nächsten Tage zu einem recht großen roten Punkt und dieser juckt und juckt und juckt. Ich habe jetzt vielleicht dreißig dieser Stiche an meinem Körper, es tröstet einen halbwegs, dass jeder zweite hier mit roten Punkten auf der Haut rumläuft.
Die Sandflies haben uns dann auch die nächsten Tage die Westküste gnadenlos verfolgt. Nach der Wanderung wurde nach langer Zeit wieder einmal Mitten in der Pampas übernachtet, diesmal ohne weitere Deutsche, aber dafür mit Sandflies und nervigen Mücken. Nachdem Matthias und ich alle sich im Van befindlichen Sandflies getötet hatten (ca. 50 an der Zahl), waren die Mücken an der Reihe, diese haben trotz aller geschlossener Fenster immer wieder einen Weg rein gefunden, nach zwei Stunden hoffnungsloser Jagd hab ich mir einfach meine, eigentlich fürs Flugzeug gedachten, Ohrstöpsel genommen und unter Attacke von unzähligen Mücken meinen Schlaf gefunden. Am Morgen danach haben sich dann neben den Sandflies Bissen im Rotton unterschiedliche Mückenstiche hinzugefügt, ihr könnt euch hoffentlich vorstellen wie ich aussehe.
Am nächsten Morgen wurde erst mal Pause vom Vanfahren gemacht, am Tag zuvor waren es neun Stunden. Es wurde auf einem Gletscher gewandert, genauer der Franz Josef Gletscher. Wir nahmen an einer ganztägigen Tour teil, die uns sechs Stunden aufs Gletschereis geführt hat. Dass war ein sehr tolles Erlebnis, da zuvor ja noch nie gemacht. Wir sind durch Gletscherspalten, in denen noch nicht einmal Reiner Callmunds linker Finger hineingepasst hätte. Leider hatte es größtenteils geregnet, kalt war es auch ein wenig und ich hab jetzt immer noch eine kleine Erkältung.
Im Anschluss an dieser Tour sind wir noch einhundert fünfzig Kilometer Richtung Süden, zweihundert Meter vom Meer habe wir wieder einen Schlafplatz gefunden. Wir hatten noch nicht einmal unser Auto richtig eingeparkt und schon war ein ganzer Schwarm Sandflies um uns herum. Einmal die Tür geöffnet und schon waren sechzig Stück drin, den ganzen Abend wurde gekämpft, am Ende haben wir uns geschlagen einfach ins Bett fallen lassen und am nächsten Morgen unsere Stiche gezählt, es juckt jetzt immer noch.
Der nächste Tag bestand dann aus der finalen Fahrt nach Queenstown, also sind wir wieder am Einstieg angekommen und ich am Ende meines Blogeintrages. Mal sehen wann ich wieder zum schreiben kommen, die nächsten Tage werden wieder mit Wandern verbracht und dann geht’s gegen den Uhrzeigersinn auf der Südinsel weiter.
Bis demnächst!
Einen entspannten Start in 2010!!
Grüßt die Kiwis!!!
Euer Michi
PS: Mehr Bilder gibts irgendwann, das Internet ist hier verboten langsam.
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