Wie ihr seht, der Weihnachtsmann hat den Osterhasen also wieder deutlich überholt und es ist nur noch eine Woche bis zum heiligen Fest, da ich mich mit meinen Füßen ja auf einem früheren Kolonialgebiet Großbritanniens befinde, wird Weihnachten erst richtig am 25. gefeiert, wobei die Menschen in meiner Umgebung das nicht so ernst nehmen, es werden jetzt schon munter Karten versandt und Geschenke vergeben. Bei mir selber ist jedoch noch keine großartige Weihnachtsstimmung zu erkennen, was wohl ganz einfach zu begründen ist; es riecht nicht und es fühlt sich nicht nach Weihnachten an. Ich hab kein einziges Mal den Duft eines Räuchermännchen verspüren dürfen, kein einziger Schwibbogen erstrahlt die Fenster, die Menschen laufen in Flipflops anstatt in dicken Winterstiefeln, sie tragen Sonnenbrille, bauchfreie Shirts und kurze Hosen, anstatt Handschuhe, Schal und Wollkragenpullover. Weihnachten im Sommer, klingt komisch und ist es auch. Ich mag es nicht unbedingt. Mir kam die große Ehre zu Gute unser Haus weihnachtlich zu gestalten. Im Keller gab es zwei große Kartons, in denen sich hauptsächlich goldene Glitzergirlanden, lila Weihnachtskränze und jede Menge bunte Lichterketten befanden. Alles total Hässliche hab ich gleich in den Kartons gelassen, alles halbwegs hässliche hängt jetzt bei uns im Haus. Auch wurde ich beauftragt den Weihnachtsbaum aufzustellen und zu dekorieren. Ich habe noch einen so schrecklichen Weihnachtsbaum dekoriert, mögen es die 25 Grad sein, seine Zweige haben in alle Richtungen gezeigt, nur nicht in die richtigen. Auch musste ich Rachael davon abhalten lila Lametta bzw. überhaupt welches ran zu machen; meine Ausrede war "Äh, äh purple tinsel (englisch für Lametta) makes the tree ill", böser Junge, im Endeffekt hat sie es sein lassen. Hier das Resultat.
Nun zu dem schon eingangs erwähnten von Agnes seit ein paar Tagen immer öfter verwendeten Satz, er lautet: "He is coming back!" Seit Dienstag ist es offiziell, nach meinen sechs Wochen Reisezeit werde ich zu "meinen" Behinderten zurückkehren. Es ist eigentlich so üblich, dass ein Freiwilliger nach sechs Monaten sein Projekt wechselt, jedenfalls in Neuseeland. Seltsamerweise sind gerade im Mount Tabor Trust immer wieder Freiwillige, die jedoch ein ganzes Jahr bleiben, da gehöre ich nun auch dazu. Warum? Ich möchte das jetzt nicht groß ausschlachten, nur so viel; ich fühle mich unglaublich wohl in meiner Arbeit. Ich hätte das nach meiner ersten Woche nie für möglich gehalten, aber es ist wahr, die Leute, nicht nur die Behinderten, sind mir ein bisschen ans Herz gewachsen, ich hoffe nur, dass ich dann nach einem Jahr mit behinderten Menschen keine großartigen geistigen Schädigungen aufweise, so ein paar Macken hab ich ja schon. Die Entscheidung jedenfalls steht jetzt endlich, es hat etwas gedauert, da ich mir selber auch nicht hundertprozentig sicher war, aber wer weiß was für Abenteuer vom Februar bis zum Juli noch auf mich warten.
Da aber alles hier schon so ein bisschen auf Abschied eingestellt war, war für Donnerstag ein Farewell- Picknick geplant, daraus wurde eben ein Comeback- Picknick. Es ging mit der ganzen Sippe, außer Robbie (er sagte seinen traditionellen Satz, wenn es irgendwo hingeht: "I'm tired, I'm staying here and looking after place!"), zum Piha Beach, einem Strand in der Nähe von Auckland.
Der Van war trotz Robbies Abwesenheit gerammelt voll, da wir mehr Support Worker waren als Core People.
Schon gar nicht über das morgen beginnende. Sechs Wochen wird gereist, quasi gegen den Uhrzeigersinn, es geht nördlichen Auckland zum südlichsten Punkt der Südinsel und wieder zurück. Genaueres werde ich euch dann sicherlich von den sich bietenden Möglichkeiten berichten, wahrscheinlich vorerst ohne Fotos, Schaun ma mal.
Ich wünsche euch somit schon einmal geruhsame Weihnachten!
Auf hoffentlich bald!!
Grüßt die Kiwis!!!
Mit einem fast vollständigen Gruppenbild mit meinen Mitbewohnern verabschiedet sich
Euer Michi
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